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Prag

Details

Die goldene Stadt der Live Musik, der Kultur, des Bieres

Während unseres Zivildienstes haben wir, also Volker, Phil, Krizze und ich, beschlossen, nach dem Ende des Dienstes eine "Abschlussfahrt" zu machen. Recht schnell war klar, dass Prag unser Ziel werden sollte. Prag, die Stadt mit den niedrigen Bierpreisen, billigen Übernachtungsmöglichkeiten, des Jazz und der schönen Tschechinnen. Nach einigem Hin und Her, wie wir denn jetzt nach Prag kommen sollten, haben wir uns für die Bahn entschieden. Mit dem Bus wäre es zwar noch ein bisschen preiswerter gewesen, aber die Aussicht, 12 Stunden in einem Bus zu verbringen war nicht ganz so reizvoll, wie 12 Stunden in einem Zug zu sitzen. Am 29. Juni sind wir dann losgefahren.

Zugfahrt

Etappe 1: Münster - Hamm: nichts los
Etappe 2: Hamm - Dortmund : nichts los
Etappe 3: Dortmund - Prag: Positiv überrascht waren wir, als wir feststellten, dass unser gebuchter Sitzwagen ein Liegewagen war. Dumm war allerdings, dass wir ihn nicht für uns alleine hatten, sondern noch ein Anderes im Abteil saß. Jemand aus dem Nachbar-Abteil hat uns netterweise schon mal gezeigt, wie man die Liegen herunterklappt. Allerdings hat sich unser Abteil-Kollege direkt beschwert, weil wir seine Tasche etwas zur Seite geschoben hatten. "Fängt ja gut an," dachten wir uns. Wir haben dann weiter das eine oder andere Bier getrunken und irgendwann haben wir recht deutlich mitgekriegt, dass unsere beiden Mitfahrer eine rechte Einstellung hatten. Richtig übel wurde es, als der Kerl aus dem Nachbarabteil seine Einstellungen und Denkweisen offenbarte. Die Diskussion (wenn man das denn so nennen kann; "Mein Vater hat mich wenigstens noch richtig erzogen, ich werde nicht so ausfallend, ihr Fotzen!") war dann kurz davor, umzukippen, aber wir haben es geschafft, ihn aus dem Abteil zu vertreiben. Auf dem Gang wäre es noch zu Handgreiflichkeiten gekommen, wenn unser Mitfahrer nicht meinte, dass er dazwischengehen müsste, wenn sich der Nazi mit uns anlegen würde. Er war auf nicht rechtsradikal, aber das konnten wir vorher nicht wissen. Ich habe versucht, so gut es ging im Sitzen zu schlafen, während sich die anderen noch mit Mario unterhielten.
Als Mario dann endlich ausgestiegen war, konnten wir auch die übrigen Liegen herunterklappen und endlich einigermaßen tief und fest schlafen. Ich bin allerdings trotzdem einige Male aufgewacht und habe mir dann die Beine etwas im Gang vertreten, wobei ich mir die schöne Landschaft angucken konnte. Hügelig und bewaldet und neben uns die Elbe beziehungsweise später die Moldau. Nach 11 Stunden waren wir dann endlich am Ziel!!!

Sonntag: Zimmer, Finale, Altstadt, Gulasch, Zoo Bar

Zuerst haben wir bei den Zimmer-Vermittlungs-Agenturen hereingeschaut, aber für das, was geboten wurde, waren uns die Angebote zu teuer. Wir entschlossen uns, auf eigene Faust loszuziehen.
Wir wurden dann von einem Mann angesprochen, der uns einen Flyer in die Hand drückte, beschrieb, wie die Zimmer aussahen und wo das Hostel zu finden sei und dann wieder ging.
Danach wurden von einer ekelhaft stinkenden Frau mit fettigen Haaren angesprochen, die uns eine super Wohnung für 400 CZK (30 CZK entsprechen 1 €) anbieten wollte, oder aber eine zentral gelegene für 600 CZK. Die war uns zu teuer und auf einmal sollte die andere 450 CZK gucken, aber sie bot sie uns großzügig für 400 an. Uns war uns alles na dieser Frau und damit dieser Wohnung unsympathisch.
Da die Zimmer von dem Mann nur einige Minuten entfernt waren, wollten wir erst einmal dort vorbei schauen. Die Adresse hatten wir recht schnell gefunden und dann haben wir uns die Zimmer zeigen lassen. Er hatte zwei Arten anzubieten. Einmal 6er Zimmer mit Etagen Dusche (bzw Wanne) und Toilette und einmal Zwei-Raum-Appartments, allesamt mit eigenem Kühlschrank und Kochgelegenheit. Die Zimmer sollten 350 pro Person und Nacht kosten, das Appartment 450. Wir entschieden uns gegen die Zimmer, ließen das Gepäck im Appartment, während es noch sauber gemacht wurde, und machten uns auf den Weg zu McDonald's, um zu Mittag zu essen und schauten anschließend nach einem Lokal/Bar/Restaurant, in dem wir das Finale Deutschland - Brasilien gucken konnten.
Das Finale haben wir in der Scorpion Bar direkt am Wenzelsplatz geguckt; es ging natürlich nicht traumhaft zu Ende, aber uns war das relativ egal. Wir waren so fertig, dass wir uns noch nicht einmal mehr die Siegerehrung angeschaut haben und direkt auf unsere Zimmer gegangen sind, um noch ein paar Stunden zu schlafen.
Wir sind später als geplant aufgewacht und haben uns fertig gemacht. Volker hatte große Schmerzen, denn sein Arm faulte ab und wenn es nicht besser werde, müssten wir einen Notarzt rufen (er meinte, ich solle das aufschreiben). Da das Gulasch in Prag ja so fantastisch sein soll, haben wir uns auf die Suche nach einem gemacht. Wir sind Richtung Altstadt und Karlsbrücke gegangen. Die Altstadt ist richtig cool. Viele verwinkelte, kleine Gassen und viele Kneipen und Keller, in denen Live Musik gespielt wird, zumindest steht das vor der Tür. Da wir aber erst etwas essen wollten, haben wir die Moldau überquert. Auf der Karlsbrücke waren im Abstand von ca 50m, also bei jedem Heiligen, Musiker, die in passender Atmosphäre gespielt haben. Es gibt aber auch viele Bettler, die knieend und die Stirn auf dem Boden um Geld beten. Auf der anderen Seite haben wir dann endlich die Gulascherie gefunden: jeder hatte abgezählte vier Stücke Gulasch, einen Teller voller Sauce und einen Knödel, der wie Brot schmeckte. Wir waren also nicht so begeistert!!!
Wir haben uns auf die Suche nach einem Jazz-Schuppen gemacht, aber dabei festgestellt, dass ab 23 Uhr nicht mehr live gespielt wird. In einer Seitenstraße haben wir dann aber die "Zoo Bar" gefunden. Die "Zoo Bar" ist ein cooles Kellergewölbe, das Bier ist preiswert und die Kellnerin nett anzuschauen. Um ein Uhr wurde aber die letzte Runde eingeläutet und wir sind zurück auf die Zimmer gegangen, weil wir ja noch nicht wussten, wo man hingehen kann und haben dort weitergetrunken. Im Reiseführer stand, dass man unbedingt mal beim Sonnenaufgang auf der Karlsbrücke sein muss, um zu sehen, wie die Stadt erwacht. Volker und Phil sind im hellen noch mal losgegangen und haben sich gewundert, dass es auf der Karlsbrücke auch schon hell war. Nunja!

Montag: 3 Eier, Stadtrundfahrt, Altstadt, Rock Cafe, Gyros, Zoo Bar, Disco, Gulasch

Wir sind relativ früh aufgestanden und haben im Cafe Blanik gegenüber unseres Hostels gefrühstückt, für jeden gab es drei Spiegel-Eier. Im Anschluss haben wir eine Stadtrundfahrt gebucht, um einen ersten Eindruck von der Stadt zu bekommen. Dass wir die längere Fahrt auswählten, war nicht wirklich wichtig, der einzige Unterschied besteht nämlich darin, dass man eine halbe Stunde über die Prager Burg läuft. Ich habe schon bessere Stadtrundfahrten gemacht, aber für 10€ kann man sich, glaube ich, nicht beschweren.
Da jeder Reiseführer vom jüdischen Viertel und dort besonders vom Friedhof schwärmt, sind wir im Anschluss dorthin gelaufen. Der Eintritt zum Friedhof sollte allerdings 300CZK kosten, was uns doch reichlich viel vorkam. Da wir Hunger hatten, wollten wir einen koscheren Burger essen, aber das Menü (vergleichbar mit McD) sollte weit über 10€ kosten, weswegen wir uns auch dagegen entschieden. Wir sind Richtung Altstadt gelaufen und haben dort eine nette Pizzeria gefunden.
Wir wollten eigentlich Live Jazz sehen, haben uns aber entschieden, erst einmal ins Rock Cafe zu gehen. Wir waren die einzigen Gäste, aber das Bier hat 20CZK gekostet und die Musik kam aus der Jukebox, wir konnten uns also aussuchen, was wir hören wollten. Mit der Zeit wurde es voller und wir wollten dann in die Jazz Kneipe gehen, aber 6€ für noch eine Stunde Musik kam uns auch zu viel vor.
Auf der Suche nach einem weiteren Jazz Lokal sind wir an einem Gyros Stand vorbeigekommen und konnten nicht wiederstehen - ein großer Fehler! Einen schlechteren Gyros Pita habe ich noch nie gegessen, selbst der Döner in Bayern war noch viel besser!
Nachdem wir einige Bier und Cocktails in der Zoo Bar getrunken hatten, haben wir uns auf den Weg zur Karlsbrücke gemacht. Nach einem langen Umweg waren wir endlich am Ziel, der "größten Discothek Mitteleuropas!" Als wir drinnen waren, haben wir recht schnell bemerkt, dass das doch maßlos übertrieben war: von den fünf Etagen hatten nur 2 geöffnet, und die waren auch noch leer. Aber dafür hat das Bier weit unter einem Euro gekostet.
Gegen vier Uhr haben wir uns dann, wie in allen Reiseführern empfohlen, auf die Karlsbrücke gestellt und geschaut, wie die Stadt so langsam erwacht. So wirklich spannend war es aber nicht, oder wir waren einfach zu voll! Auf dem Rückweg wurden uns noch fast die Patten geklaut, aber so auffällig, wie sich die beiden Frauen benommen haben, war es unmöglich, das nicht zu merken.
In Krizze's Reiseführer war von einem Restaurant die Rede, dass 24/7 Gulasch verkauft. Da wir schon wieder Appetit hatten, haben VoPo, Phil und ich uns noch auf die Suche gemacht, Krizze ist schon mal schlafen gegangen. Nach einem endlosen Marsch mussten wir ernüchtert feststellen, dass auch diese "Gulascherie" irgendwann mal zumacht. Da wir aber noch etwas Essbares brauchten, haben wir uns überwunden und noch eine Krakauer am Wenzelsplatz gegessen. Ich hatte besonderes Glück, da ich sogar ein Stück Knochen drin hatte; VoPo hat die Wurst so gut geschmeckt, dass er sie weggeschmissen hat, und nur das Brötchen aß.

Dienstag: Generalreinigung, Jazz, Zoo Bar, Wagon Bar

Am Vortag war ein Zettel bei uns an der Tür, auf dem stand, dass wir wegen einer Generalreinigung unser Zimmer von 11 bis 14 Uhr zu verlassen hätten. Obwohl wir den Zettel umgestalteten (14 bis 17 Uhr) wurden wir fünf vor elf geweckt und aus unserem Zimmer geschmissen. Nachdem wir uns im Supermarkt schon mal etwas zu trinken gekauft hatten, sind wir in die Scorpion Bar gegangen und haben dort Kaffee bzw Bier getrunken. Im Anschluss sind wir wieder auf unser Zimmer gegangen und mussten feststellen, dass immer noch nicht aufgeräumt worden war. Also sind wir erst einmal frühstücken gegangen. Auch danach war natürlich noch nicht aufgeräumt. Wir haben noch ein wenig Vodka getrunken und uns dann hingelegt.
Gegen 20 Uhr sind wir aufgestanden und haben uns mal wieder auf die Suche nach einem guten Jazz-Schuppen gemacht, dieses Mal auf der anderen Moldau Seite. Natürlich haben wir ihn nicht gefunden, aber dafür haben wir in einer gemütlichen Kneipe (teures) Bier getrunken. Danach waren wir, same procidure as last day, wieder in der Zoo Bar bevor wir zur Wagon Bar gelaufen sind. Dort gab es noch fix ein paar Bier und im Hellen kamen wir wieder in unseren Zimmern an.
Dieser Tag war relativ doof, da wir ihn fast komplett verpennt haben. Es lag aber zum Großteil an der Putze, die uns so früh rausgeschmissen hat, ohne dann sauber zu machen. Ansonsten hätten wir bis zwölf oder eins geschlafen und hätten den restlichen Tag noch nutzen können.

Mittwoch: Stadtbummel, Laterna Magika, Essen, Zoo Bar, Caberet

Volker und ich sind eher aufgestanden und haben, nach drei Eiern, Schinken, Toast und Kaffee, schon mal Karten für Laterna Magika gekauft. Wir haben dann die anderen beiden geweckt und wollten kurz einkaufen gehen. Das Ganze ist dann aber etwas ausgeartet, weil einfach nichts zu finden war. Deshalb sind wir dann auch, geschafft wie wir waren, in die Scorpion Bar gegangen.
Eigentlich wollten wir nur kurz duschen, um vor der Theater-Aufführung noch schön essen zu gehen, aber wir sind auf dem Zimmer versackt und haben uns entschlossen, nach dem Theater essen zu gehen. Das Stück war sehr abgedreht und zu Anfang musste ich mich doch konzentrieren, nicht einzuschlafen. Außerdem hatte ich Hunger!
Ich hatte extra meine Kamera mitgenommen, da wir am Vortag gesehen hatten, wie wunderschön die Prager Burg und die Karlsbrücke bei Nacht sind, aber als wir aus dem Theater kamen, war es total am schütten. Deshalb haben wir uns auch entschieden, einfach ins nächste Restaurant zu gehen und dort zu essen - eine gute Wahl! Nachdem uns der Ober die Speisekarte gebracht hatte, kam er kurz darauf mit einem Silbertablett voller Vorspeisen zurück. Ich habe mich für eine mit Hummer-Cocktail gefüllte Tomate entschieden. Sie war vorzüglich! Als Hauptgericht hatte ich ein Pfeffersteak mit Bratkartoffeln und Gemüse. Als unsere Steaks fertig waren, wurden sie in der Pfanne zum Tisch gebracht und dort flambiert. Auch dieser Gang war vorzüglich. Als Getränk gönnten wir uns einen Cabernet. VoPo und Krizze hatten noch einen Espresso, während Phil und ich uns für einen Glenlivet entschieden. Wir haben bezahlt und der Ober hat uns herausgelassen.
Da Krizze am nächsten Tag eine Präsentation an der Uni hatte, ist er nicht mehr mit uns in die Zoo Bar gegangen. Wir haben neben Bier und Long Island auch noch einen Absinth getrunken. Ist ja ganz nett das Zeug. Volker hat das dabei fast geschafft, sich und den ganzen Keller abzufackeln.
Auf dem Weg nach Hause haben wir uns dann noch ein schönes Caberet Stück angesehen und sind danach schlafen gegangen.

Donnerstag. Check Out, Zugfahrten

Um neun Uhr sollten wir aus dem Hostel ausgecheckt haben, aber ich wurde erst fünf vor neun geweckt. Wir haben es aber dann doch innerhalb von einer halben Stunde geschafft, zu duschen, zu packen und auszuchecken.
Zuerst haben wir gefrühstückt, Volker und ich hatten jeweils Eier Nummer 13, 14 und 15 für diesen Urlaub, und danach haben wir noch unsere restlichen Kronen ausgegeben, für Absinth, Zigaretten, ...
Die Rückreise war relativ ereignislos. Irgendwann kam ein älteres Ehepaar in unser Abteil, das uns offenbar nicht so wirklich leiden konnte, aber die sind wir zum Glück in Berlin losgeworden. Dort haben wir einen Döner gegessen bevor es mit dem nächsten Zug nach Münster ging. Wir hatten ein 5er-Abteil für uns. Volker hat eine Nonne offenbar falsch verstanden, sie fragte nämlich, ob noch ein Platz frei sei und er meinte nö. Als aber einige Sekunden später eine junge Studentin zusteigen wollte, war der Platz frei!
Gegen Mitternacht war ich dann endlich wieder zu Hause und bin in mein Bett gefallen!

   

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